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Von einem rein forstwirtschaftlichen Prinzip hat sich der Begriff „Nachhaltigkeit“ zu einem Leitbild des 21. Jahrhunderts entwickelt. Und doch wissen viele nicht, was genau mit Nachhaltigkeit eigentlich gemeint ist. Sie verbinden mit dem Wort entweder Schonung von Ressourcen und Umweltschutz oder ganz allgemein Verantwortung, Achtsamkeit und zukunftsorientiertes Handeln. Der Begriff ist so schwammig, so wenig konkret und so schwer definierbar, dass kaum jemand wirklich seine Bedeutung kennt. Wir wollen mit diesem Beitrag ein wenig Licht ins Dunkel bringen.


Begriffsdefinition
Das Wort „Nachhaltigkeit“ stand 1915 erstmals im Rechtschreibduden für „eine längere Zeit anhaltende Wirkung“.

1713 beschrieb der deutsche Kameralist Hans-Karl Calowitz in seinem Buch über die Ökonomie „Silvicultura oeconomica“ den Begriff „Nachhaltigkeit“ wie folgt: „Schlage nur so viel Holz ein, wie der Wald verkraften kann! So viel Holz, wie nachwachsen kann!"

So einfach diese Regeln sind, so schwierig ist „Nachhaltigkeit“ in ihrer Gesamtheit zu definieren, denn sie oder auch „nachhaltige Entwicklung“ ist ein Prozess, der sicherstellen soll, dass künftige Generationen ihre Bedürfnisse ebenso gut befriedigen können wie die gegenwärtige Generation. Für die Wirtschaft bedeutet das beispielsweise, Gewinne nicht auf Kosten des Umweltschutzes und zu Lasten der Armen zu erzielen, sondern umwelt- und sozialverträglich zu erwirtschaften.

Die Dimensionen der Nachhaltigkeit – Das Drei-Säulen-Prinzip
Nachhaltigkeit basiert auf einem sogenannten Drei-Säulen-Prinzip, auch bekannt als Nachhaltigkeitsdreieck. Danach sind Wirtschaft, Ökologie und Soziales gleichrangig und gleichgewichtig – sowohl auf gesamtwirtschaftlicher und politischer als auch auf globaler und unternehmerischer Ebene.

Bezogen auf Unternehmen heißt das ganz allgemein:

Die ökologische Säule beschreibt das meistens unter Nachhaltigkeit verstandene Ziel, Natur und Umwelt für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Es kann beispielsweise dadurch erreicht werden, dass ein Unternehmen die durch seine Prozesse verursachten Umweltbelastungen auf ein Minimum reduziert.

Die soziale Säule bezieht sich auf die Mitarbeiter im Unternehmen und die Gesellschaft im Umfeld. Sie umfasst Aspekte wie sozial gerechte Arbeitsbedingungen, barrierefreie Gestaltung der Arbeitsplätze und Chancengleichheit.

Die ökonomische Säule verbindet die beiden anderen Säulen miteinander und steht für eine kostengünstige, rentabilitäts- und unternehmenswertsteigernde Umsetzung von Umweltschutz und Sozialengagement.

Schwache und starke Nachhaltigkeit

Über die Gewichtung der drei Säulen der Nachhaltigkeit gibt es unterschiedliche Auffassungen. Verschiedene Nachhaltigkeitsmodelle unterscheiden zwischen schwacher und starker Nachhaltigkeit.

Das Modell der schwachen Nachhaltigkeit geht davon aus, dass natürliche Ressourcen durch Human- und Sachkapital ersetzt werden können. Ein System ist in diesem Sinne nachhaltig, solange das Gesamtkapital (bestehend aus natürlichen Ressourcen, Human- und Sachkapital) gleichbleibt oder wächst. Ein Rückgang natürlicher Ressourcen, also beispielsweise der Abbau von Rohstoffen, ist auch dann noch nachhaltig, wenn er durch steigendes Kapital in den anderen Bereichen ausgeglichen wird. Hier steht also nicht die Bewahrung der Umwelt im Vordergrund, sondern die Aufrechterhaltung und Steigerung des Gesamtwohlstands. Die drei Säulen sind somit gleichgewichtig und substituierbar, was Kritiker auf den Plan ruft.

Beim Modell der starken Nachhaltigkeit dagegen wird die ökologische Säule über die beiden anderen Säulen gestellt – ausgehend von der Annahme, dass die natürlichen Ressourcen die Grundlage für alle anderen Entwicklungsfelder darstellen. Die Substituierbarkeit von Ressourcen ist auch hier möglich, jedoch nur zwischen Human- und Sachkapital und innerhalb verschiedener natürlicher Ressourcen. Ein Austausch oder Ersatz von natürlichen Ressourcen durch Human- oder Sachkapital ist nicht möglich. Daraus ergeben sich bestimmte Ge- und Verbote: So dürfen beispielsweise erneuerbare Ressourcen nur in dem Maß genutzt werden, in dem sie sich regenerieren. Und erschöpfbare Ressourcen, wie z.B. fossile Energiequellen, dürfen überhaupt nicht genutzt werden, weil sie sich nicht selbst erneuern können. 

 

In Zusammenhang mit Nachhaltigkeit stehen die Begriffe „Corporate Citizenship (CC), Corporate Social Responsibility (CSR),  und Social Responsibility (SR) und Corporate Sustainability (CR)". Diese werden im Folgenden kurz miteinander verglichen.

Corporate Citizenship (CC)Corporate Citizenship bezeichnet das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen, wodurch sich diese als „gute Bürger” präsentieren. Typische Formen des Engagements sind Spenden- und Sponsoringmaßnahmen oder die Freistellung von Mitarbeitern für gemeinnützige Zwecke (Corporate Volunteering). Corporate Citizenship stellt somit eine freiwillige Aktivität dar, die nicht mit dem Kerngeschäft verbunden ist.
Corporate Social Responsibility (CSR) Unter „Corporate Social Responsibility“ ist die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen als Teil nachhaltigen Wirtschaftens zu verstehen. Sie betrifft anders als CC auch das Kerngeschäft, das im Rahmen der Globalisierung ökonomische, soziale und Umweltzustände überall auf der Welt beeinflusst. Ökonomischer Erfolg soll dabei durch eine soziale und ökologische Unternehmensverantwortung sowie durch nachhaltig ausgerichtetes Handeln erzielt werden. Dabei spricht CSR spricht explizit die soziale und ökologische Dimension an und berücksichtigt die Wirtschaftlichkeit eigentlich "nur" als Rand- bzw. Nebenbedingung.
Social Responsibility (SR)

Die internationale Norm DIN ISO 26000 verwendet anstelle „Corporate Social Responsibilty“ den Begriff „Social Responsibility“, da sich diese Norm nicht nur an Unternehmen richtet, sondern Organisationen jeglicher Art anspricht. „Social Responsibilty“ wird dabei definiert als „Verantwortung einer Organisation für die Auswirkungen ihrer Entscheidungen und Aktivitäten auf die Gesellschaft und Umwelt durch transparentes und ethisches Verhalten, das

  • zur nachhaltigen Entwicklung, Gesundheit und Gemeinwohl eingeschlossen, beiträgt,
  • die Erwartungen der Anspruchsgruppen berücksichtigt, 
  • anwendbares Recht einhält und im Einklang mit internationalen Verhaltensstandards steht und
  • in der gesamten Organisation integriert ist und in ihren Beziehungen gelebt wird.“

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat hierzu 2011 einen „Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung von Organisationen" veröffentlicht.

Corporate Sustainability (CS)Ein Begriff der über CSR bzw. SR hinausgeht ist Corporate Sustainability, auch bekannt als Nachhaltigkeitsmanagement.Hierbei werden gemäß dem 3-Säulen-Prinzip alle drei Dimensionen integriert als eine Einheit betrachtet und auf alle Produkte und Dienstleistungen angewendet.

 

 

 

 

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Zusammenfassend lässt sich Nachhaltigkeit somit definieren als eine Form des ökologischen und ökonomischen Handelns, die gegenwärtigen und zukünftigen Generationen vergleichbare oder bessere Lebensbedingungen sichern soll, indem mit allen Gütern sorgsam und ressourcenschützend umgegangen wird.

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